„Ins Kino geschmuggelt“


von Marianne Klos

Mein Vater hat für den Zoll gearbeitet und wurde nach Olmütz (heute Olomouc, Tschechische Republik) versetzt. So musste die ganze Familie von Gießen nach Olmütz ziehen. Als mein Vater 1943 eine Tagung in Prag besuchen musste, durfte ich ihn begleiten und versuchte mir nach einer kleinen Erkundungstour durch die historische Altstadt die Zeit im Kino zu vertreiben. Einer der ersten deutschen Farbfilme, MÜNCHHAUSEN (DE 1943, R: Josef von Báky), war gerade in die Kinos gekommen und ich wollte ihn unbedingt sehen! Leider war der Film erst ab 16 Jahren freigegeben, doch das konnte mich nicht abhalten: Ich versuchte mein Glück an der Kinokasse. Beim ersten Mal wurde ich prompt als zu jung erkannt und weggeschickt, doch ich gab nicht auf und stellte mich erneut an. Beim zweiten Mal zog ich meine Kapuze tiefer ins Gesicht und wendete den Kopf leicht von der Kassiererin ab. Mein Herz klopfte schnell, doch diesmal klappte es! Ich wurde ins Kino gelassen und konnte den wunderbaren Film genießen. Dieses (Film-)Erlebnis werde ich nie vergessen!

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